Call for Papers

 

Bibelsammlungen und Bibeln als Sammlungsobjekte

Workshop an der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel

organisiert im Rahmen des Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW), von der Fallstudie »Weltwissen« in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kirchengeschichte, Georg-August-Universität Göttingen

Veranstaltungsort und -zeit: Wolfenbüttel, 20. bis 22. September 2023

 

Der interdisziplinäre Workshop stellt das Phänomen »Bibelsammlungen« und der Praxis des Bibelsammelns in vergleichender Perspektive ins Zentrum.

Die Bibel war in der Frühen Neuzeit nicht nur das vermutlich verbreitetste Buch, sondern auch das auflagenstärkste. Neueditionen, Neukommentierungen und Übersetzungen machten Bibeln zu Sammelobjekten.

Besonders das 18. Jahrhundert sah die Entstehung einer großen Anzahl von Bibelsammlungen. Dabei unterschieden Sammelnde, etwa Josias Lorck, eine Bibelsammlung dezidiert von einer Sammlung, in der sich »nur« viele Bibeln befinden. Beides, Bibelsammlungen und das Sammeln von Bibeln, soll Gegenstand des Workshops sein.

Sowohl Privatleute, oft Theologen, als auch Adlige betätigten sich als BibelsammlerInnen. Einige fürstliche Sammlungen sind bis heute erhalten, darunter bekannte wie diejenige Karl Eugens von Württemberg, auf der die Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek beruht, und die Sammlung Elisabeth Sophie Maries, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg (»Wolfenbütteler Bibelsammlung«). Das Sammeln ging in den meisten Fällen einher mit dem Publizieren der Sammlung, z.B. in Form eines Katalogs, dem Schreiben über das Sammeln und dem Austausch mit anderen SammlerInnen und ForscherInnen. Durch diese Publikationen bleiben auch viele heute nicht mehr existierende Sammlungen rekonstruierbar.

Im Kontext von Bibelsammlungen und der Sammlungspraxis stellen sich zahlreiche Fragen: Wie etwa funktionierten die Netzwerke der SammlerInnen? Wie gestaltete sich die Wertzuschreibung der Exemplare und / oder Sammlungen? Handelte es sich beim Anstieg der Anzahl der Sammlungen im 18. Jahrhundert und auch bei den nie zuvor dagewesenen Umfängen dieser Sammlungen um ein Symptom der (individuellen) Bewältigung religiöser »Krisenzeiten«, wie es in der älteren Forschung gedeutet wird? Oder befeuerte die Professionalisierung der biblischen Philologie die Sammelleidenschaft? War sie ein Effekt der christlichen religiösen Expansion im konfessionellen Zeitalter? Setzte man mit dem Sammeln von außereuropäischen Bibeln den geografischen Rahmen des eigenen (religiösen) Machtbereichs?

Die bisherige Forschung hat sich vielfach den inhaltlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Ausgaben und Handschriften gewidmet – ohne sie als Sammlungsobjekte zu behandeln – oder einzelne Sammlungen in den Blick genommen, die oft isoliert betrachtet wurden, aber auch faszinierende Einblicke bieten. Ein Überblick über die kulturelle Praxis des »Bibelsammelns« fehlt bislang.

Das Thema des Workshops ist überkonfessionell und geografisch offen konzipiert. Der zeitliche Fokus liegt auf der Frühen Neuzeit, mit Ausblicken in andere Epochen.

Diskussionspunkte könnten u.a. sein:

  • Sammelnde, ihre jeweiligen Netzwerke, ihr sozialer Stand
  • Geschlechtergeschichtliche Aspekte
  • Konfessionskulturelle Effekte
  • Perspektiven der Sammlungsforschung
  • Der Einfluss des Buchmarkts und ökonomische Perspektiven

 

Wir bitten um die Einsendung eines kurzen Lebenslaufs mit einem Exposé (ca. 1500 Zeichen) für einen etwa 20-30 minütigen Vortrag bis zum 31. Mai 2023 an Caren Reimann (reimann@hab.de) und Christoph Schönau (Christoph.Schoenau@theologie.uni-goettingen.de). Vorbehaltlich der Bewilligung der beantragten Mittel können Fahrt- und Übernachtungskosten erstattet werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.